Mittwoch, 5. Oktober 2011

Buchstabensalat á la Austria: B wie Backhendlfriedhof





Treffe ich meinen Onkel Rolf auf der nächsten Familienfeier und finde, dass er offenbar seinen Umfang beträchtlich erweitert hat, sage ich: "Du hast aber auch ganz schön zugelegt." Was vermutlich umgehend dazu führt, dass die Laune des Onkels in den Keller stürzt, der sich noch ein großes Bier bestellt und seine Nichte zum Teufel bzw. nach Österreich zurück wünscht. Auf jeden Fall ganz weit weg.


Anmerkung der Redaktion: Lieber Onkel Rolf, bitte hau mich nicht. Das ist natürlich ein fiktives Beispiel ohne realen Hintergrund.


Trifft der Liebste seinen Onkel Günther auf der nächsten Seniorenparty und findet, dass er sich hinter meinem Onkel Rolf in Sachen Gewichtigkeit nicht verstecken muss (und auf Grund der Ausmaße seines Bauches auch nicht könnte), sagt er: "Du hast aber nen gescheiten Backhendlfriedhof." Was vermutlich dazu führt, dass der Onkel stolz seinen dicken Bauch tätschelt und anschließend seinem Neffen, voller Freude über dieses Kompliment, anerkennend auf die Schulter klopft. 


Anmerkung der Redaktion: Lieber Liebster, bitte hau mich nicht. Mir ist schon klar, dass du das nie sagen würdest, weil es vermutlich Wienerisch, Steirisch oder noch etwas viel Schlimmeres ist. Du weißt schon: fiktives Beispiel und so. Und lieber Onkel Günther, du kennst meinen Blog nicht und liest hier (hoffentlich!!) nicht mit, aber nur zur Sicherheit: Es handelt sich um ein fiktives Beispiel. Bitte hau mich nicht.


Wir halten also fest: Nicht nur der Ton macht die Musik. Wer einen leckeren Buchstabensalat produziert und wenig schwer Verdauliches hinein tut, hat hinterher glückliche Esser. 



Bild von hier

Was will uns die Autorin darüber hinaus sagen?

  1. Österreicher sind einfach  die netteren Menschen.
  2. Österreicher würden lieber einen Gummiadler essen, als sich beim Backhendl an einem Knochen zu verschlucken. Oder so ein hartes Geschoss gar einem anderen vor den Kopf zu knallen.
  3. In Österreich tragen laut Statistik Austria 860.000 Menschen einen Backhendlfriedhof mit sich herum. 
  4. In Österreich muss es also verdammt viele tote Hühner geben. Ich glaube, in Deutschland lebt es sich irgendwie netter.

Bild von hier

Die Redaktion entschuldigt sich für ihre unzähligen Anmerkungen. Auf Grund der Neigung der Autorin zu blauen Flecken war diese Maßnahme notwendig, um allzu viel Haue zu vermeiden. 

Dienstag, 4. Oktober 2011

Schönes (vom) Wochenende: Gekrönte Häupter

Ich gehe am Wochenende gern auf die Jagd. Auf die Jagd nach schönen Dingen. Ich vergrabe mich tief im World Wide Web. Lege mich auf die Lauer. Recke die Nase in die Luft wie ein Jagdhund. Nehme die Witterung auf. Rieche förmlich, wo sich etwas Schönes verstecken könnte und pirsche mich dann vorsichtig heran.  


Diese Woche sind mir diese Vögelchen vor die Flinte gekommen. Keine Sorge, ich habe sie nicht abgeschossen. Gekrönte Häupter stehen unter Artenschutz. Aber eingefangen habe ich sie für euch.





Bilder von hier


Fazit: Die Dame von Welt trägt diesen Herbst Krone. Wer keine verdient hat, setzt wenigstens einen Hut auf. Und was für Damen gilt, gilt auch für schräge Vögel.

Samstag, 1. Oktober 2011

Das Märchen von Rotkapi und dem guten Preis

Rotkapi hat gestern an meine Tür geklopft. Sie hatte zwar ihr Körbchen dabei, aber ausnahmsweise keinen verbrannten Marmorkuchen darin versteckt. Das, was sich darin verborgen hat, war dennoch höchst verdächtig: preisverdächtig. Ein Award, „The Versatile Blogger Award“.



Und den wollte sie tatsächlich mir verleihen und nicht ihrer kranken Großmutter. Ich bin stolz, glücklich und fühle mich sehr geehrt.


Wikipedia sagt: Unter einer Auszeichnung (wird oft auch im Deutschen mit der englischen Bezeichnung Award verwendet) wird eine Ehrung verstanden, die eine Person, Gruppe oder Organisation für herausragende Leistungen in einem bestimmten Bereich erhält.


Herausragende Leistung in einem Bereich? Ich gestehe beschämt ein, dass meine herausragenden Leistungen bisher aus einer Hand voll Postings und einer sehr langen Erholungspause bestehen. Bezeichnet mich also als Nachwuchshoffnung. Enttäuschen kann ich euch ja immer noch.


Das Wichtigste an einem Preis ist natürlich die Dankesrede: Ich danke Rotkapi für diesen, meinen ersten Award. Ich wünschte mir, du würdest auch Ex-Prenzlberger zum Kaffeetrinken besuchen. Schließlich sind wir doch die wahren Opfer der Gentrifizierung. Aber da das gegen deine Spielregeln verstößt, freue ich mich jeden Tag, dich zu lesen. Da steckt so viel Wortwitz drin, kommen so unterschiedliche Menschen zu Wort. Du malst mein Kleinstadtleben mit bunten Berliner Fingerfarben an. Und eingeladen bist du trotzdem. Wetten, dass?


Doch die Regeln dieses Awards verlangen nach mehr: "Erzähl deinen Lesern sieben Dinge über Dich." Ich bin wohl doch noch nicht so berühmt? Okay, dann kommen hier ein paar, mehr oder weniger, schmutzige Details über mich und mein Leben.


1. Obwohl ich mir nie vorstellen konnte, in den Bergen zu leben, fließt wohl doch Tiroler Blut in  meinen Adern. Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich mich offenbar nie wehrte, wenn meine Mami mich als Kleinkind, mitten in der norddeutschen Tiefebene, in Dirndl und Lederhosen stopfte. Zahlreiche Beweisbilder sprechen eine eindeutige Sprache.


2. Ich habe panische Angst vorm Autofahren. Dennoch werde ich mich in Kürze überwinden müssen, weil der öffentliche Nahverkehr sich hier weitgehend auf die Touristen-Bummelbahn beschränkt. Übrigens fürchte ich dabei nicht um mein Leib und Leben, sondern sorge mich, dass ich jemandem weh tun könnte.


3. Heimlich träume ich von einem Haus hinterm Deich, wo man das Meer im Garten riechen kann und der Sturm alle Gedanken aus dem Gehirn pustet.


4. Cupcakes backen ist meine Art der Meditation. Ungünstig ist, dass man die hübschen Teilchen dann auch essen muss. Deshalb versuche ich, zwischen den Bedürfnissen von Körper und Seele sorgfältig abzuwägen und meditiere nicht täglich.


5. Ich brauche viel Zeit für mich allein und schätze daher sehr, dass mein Bürohäuschen auch ein Bett beherbergt (und einen Backofen fürs Meditieren). Zwei Häuser für den Liebsten und mich, dazwischen 5 Minuten Fußweg - ein Luxus, der unbezahlbar ist.


6.Untrennbar bin ich dagegen mit meinem alten Kuschelschwein Günnfried verbunden. Ohne ihn kann ich, peinlicher Weise, nicht einschlafen.


7. Bevor ich mich entschied, das Land zu verlassen, bin ich von Flensburg bis Tirol geradelt. Günnfried war selbstverständlich auch dabei.


Und nun kommen wir zur letzten und schwierigsten Aufgabe in den Award-Regeln: "Verleihe diesen Preis an bis zu fünfzehn Lieblingsblogs." Wäre eigentlich eine leichte Übung, aber so langsam wird es eng in unserer Blogosphäre. Ich beschränke mich daher auf drei. Ihr wisst schon, alle guten Dinge:


Für schöne Worte, dieses Mal in Büchern: die Frau, die immer weiß, was man gerade lesen sollte. Zimtfisch


Sie hütet einen seltenen Schatz: einen schönen Blog in Österreich. Das ist natürlich wichtig für meinen neuen Lokalpatriotismus. Und ihr Name, Bröselmajestät, erfreut mein Wortfetischisten-Hirn. cakes on the beach


Für schöne Mode: Sie bewahrt mich in der tödlichen Kombination aus Homeoffice und Provinz vor dem totalen Style-Knockout. Wunschfrei


Glückwunsch an die drei Gewinnerinnen und euch allen ein preisverdächtiges Wochenende!


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Freitag, 30. September 2011

So klingt das Wochenende: Bee Gees

Ich hoffe, ihr verzeiht mir: Das Wochenende, das so strahlend schön vor der Tür wartet und noch mal alle Sonnenstrahlen zusammengekratzt hat, um uns glücklich zu machen, klingt bei mir ein wenig sentimental. Das liegt vielleicht daran, dass mich jemand, den ich "Freund" genannt hätte, heute ziemlich enttäuscht hat. Vielleicht ist es aber auch einfach nur ein Song, der mir diese Woche vor die Füße gespült wurde, und soviel Wahres für mich hat. 

Erschienen 1968, ist dieses Lied älter als ich. Und trotzdem könnte auch ich es jede Woche mindestens einmal singen: I started a joke



Diplomatie ist nämlich nicht gerade mein zweiter Vorname. Ich sage, was ich denke und nicht immer ist das, was ich denke, ausschließlich nett. Offenheit und Ehrlichkeit sind mir wichtig. Und ein guter Witz manchmal leider auch. Dass das aber auch ein scharfes Schwert sein kann, fällt mir oft erst auf, wenn mein Opfer blutend vor mir liegt. Und Österreicher bluten dummer Weise noch etwas schneller als Berliner. Aber ich liebe ja Herausforderungen. Okay, ich arbeite daran. Und es klappt. Nicht immer, aber immer öfter. 

I started a joke, which started the whole world crying.
But I didn`t see that the joke was on me, oh no.
I started to cry, which  started the whole world laughing.
Oh, if I'd only seen that the joke was on me.

Donnerstag, 29. September 2011

Buchstabensalat á la Austria: A wie abbimsen

Habt ihr auch so eine leicht übertriebene Leidenschaft? Etwas, das euch immer und ganz zuverlässig ein Lächeln ins Gesicht zaubert und das gleichzeitig so bekloppt ist, dass es kaum jemand nachvollziehen kann? Ich gestehe: Ich bin eine Wortfetischistin. Mein Herz schlägt für Wörter. Für alte, halb vergessene. Für bisher nie gehörte. Für neu entstandene. Für schön klingende. Und manchmal sogar für welche, die ich eigenmächtig erfunden habe. 


Ich war so etwa 5 Jahre alt, als ich mein erstes Wort erfand: das Schokolatieren. Entstanden ist es natürlich beim Plätzchen backen in der Weihnachtszeit. "Mit Schokolade überziehen" ist einfach viel zu lang und unpraktisch, wenn man den Mund mit Teig zugeklebt hat. Ich habe es gerade überprüft: Während Schokolatieren im Internet bereits recht gebräuchlich ist, hat es den Einzug in den Duden noch immer nicht geschafft. Welch Skandal! Es wäre wirklich Zeit für eine Petition.


Bild von hier
Aber ich schweife ab: In Sachen Buchstabensalat lebe ich zur Zeit im Paradies. Niemand kann so fantastische Wörter erschaffen, so lustige Klänge erzeugen, wie die lieben Österreicher. Und nichts kann mich so schnell verzaubern, wie ein Blick in dieses Standardwerk für Wortfetischisten. 


Wie egoistisch wäre ich denn, wenn ich das nicht mit euch teilen würde? Daher haben wir ab sofort eine neue Rubrik: den Buchstabensalat á la Austria. Und weil ich neben Worten auch Struktur liebe, mixe ich den Buchstabensalat nach dem Alphabet. Selbstverständlich könnt ihr auch jederzeit ein Wort für die nächste Woche nominieren.


Heute also: Das A


Bild von hier


Genussgipfel proudly presents:




A wie abbimsen. Ich bimse ab. Du bimst ab. Er sie es bimst ab. Ich bimste ab. Abgebimst. Bimse ab! Klingt das allein nicht schon wie ein lustiger Ringelreihen?


Laut Duden ganz profan: ugs. für abschreiben. 


Aber kann denn Abbimsen Sünde sein? Es klingt so niedlich, harmlos, nett, sympathisch. Es macht aus dem schulischen Schwerverbrechen Abschreiben ein Kavaliersdelikt. Es ist die späte Absolution für uns alle. Danke, Österreich!

Mittwoch, 28. September 2011

Happy Herzgeburtstag

Herzlich. Von Herzen froh. Herzallerliebst. Herzenslust. Herzinniglich. Herzkirsche. Herzergreifend. Herzensfreund. Herzhaftigkeit. Herzrasen. Herzzerreißend. Herzschmerz. Herzkasper. Herzkatheter. Herzinfarkt. 
Ich bin von Herzen froh, dass du noch bei mir bist. 



Du oller Kürbiskopf du

Kürbiskopf. Ich finde, das ist das perfekte Schimpfwort für den Herbst. Böse genug, um den Liebsten in die Schranken zu weisen. Albern genug, um dann zusammen darüber lachen zu können. Und überhaupt ist Kürbis zur Zeit das richtige Mittel der Wahl. In allen Lebenslagen. Sogar in der Küche.


Da kann man glatt zum Suppenkasper werden. Zu einem sehr glücklichen Suppenkasper. Einem sehr sehr glücklichen Kürbissuppenkasper. Und hier kommt mein Lieblingsrezept dazu: 





Kürbissuppe mit Salbei-Croûtons



Zutaten (für 4 Portionen):


1 StückKürbis (etwa 600 g)
1Zwiebel (groß)
1Apfel
2 ELButter
2 ELSukrin
(oder 
braunerZucker)
800 MilliliterGemüsebrühe
2 ELDijon-Senf
1 ELsaure Sahne
Salz
frisch gemahlener Pfeffer
½ BundSalbei
2 ScheibenToastbrot
1 ELÖlivenöl
Zubereitung:

1. Kürbis schälen, Fasern und Kerne entfernen. Kürbis grob würfeln. Zwiebel abziehen und würfeln. Apfel vierteln, entkernen und schälen. Apfel grob würfeln.

2. Zwiebelwürfel in heißer Butter glasig dünsten. Apfel- und Kürbiswürfel und das Sukrin zugeben und kurz mitdünsten. Brühe dazugießen und alles im geschlossenem Topf bei mittlerer Hitze 15 Minuten kochen, bis Kürbis und Apfel weich sind. 

3. Alles mit einem Stabmixer fein pürieren. Senf und saure Sahne unterrühren und die Suppe mit Salz und Pfeffer abschmecken. Suppe warm halten. 

4. Salbei abspülen und trocken schütteln. Toastbrot entrinden und in Würfel schneiden. Öl in einer Pfanne erhitzen und die Brotwürfel darin knusprig braten. Salbeiblätter zugeben und kurz mitbraten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Salbei-Croutons zur Kürbissuppe servieren.

Rezept im Original von hier.