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Montag, 28. November 2011

Was an mir genagt hat...

Nein, ich bin nicht so unzuverlässig, wie meine regelmässigen Blogauszeiten vermuten lassen. Wenn ich meinen armen kleinen Genussgipfel so jämmerlich vernachlässige, wenn es hier eine Sendepause gibt, wenn eigentlich ganz groß TESTBILD auf der Startseite stehen müsste, dann hat das meistens einen guten Grund.

In diesem Fall lag es (natürlich) an der Arbeit. Es lag daran, dass ich ein paar Tage in Berlin und der alten Heimat Niedersachsen war. Es lag an meinen ausführlichen Weihnachtsvorbereitungen, von denen ich euch unbedingt in den nächsten Tagen berichten muss und es lag im Besonderen an dieser Geschichte, die ich euch jetzt erzählen werde. Nehmt euch einen Keks (nein, besser keinen Haselnusscookie). Setzt euch auf die Couch. Das könnte etwas länger dauern.

Was würdet ihr denken, wenn ihr an einem schönen Morgen aus eurem Bett krabbelt und unter der Decke zwei Haselnüsse findet? Also, ich dachte mir am Morgen noch nicht so viel dabei. War da jemand in meinem Haus? Blödsinn! Bin ich Aschenbrödel? Nein, dann müssten es drei Nüsse sein. Gegen Mittag fing ich dann an, einen Zusammenhang zwischen den Geräuschen, die ich seit einigen Wochen in meinen Wänden zu hören glaubte, und den Nüssen herzustellen. Eine Maus in meinem Bett? Horrorgedanke! Der Vermieter erklärte mich auf charmante Art und Weise zu einem hysterischen deutschen Stadtmädchen. Er hat das so nicht gesagt, aber man sah es ihm an. Und ich beruhigte mich ein wenig, schlief aber wirklich schlecht in den nächsten Nächten.

Bis ich ein paar Tage später 40 Nüsse in meiner Kommode fand. An den verschiedensten Stellen angesammelt: Zwischen meiner Unterwäsche, in meinem Ballettschuh, in den Socken. Ein paar unschöne kleine Köttel waren auch darunter und ein dicker gelber Fleck auf einer weißen Mütze. Spätestens da war es vorbei, mit meiner Laune. Kampfansage Nummer 1: Eine Mausefalle wurde besorgt, mit Apfel und Nutella befüllt .... niemand interessierte sich dafür. Derweil wurde das Poltern in den Wänden immer lauter: Meine Maus schien jeden Abend zum Bowling zu gehen, denn so klang es, wenn sie wohl ihre Nüsse durch die Gegend rollte.


Bild von hier

Zahlreiche Experten wurden befragt, das Internet ausführlich studiert und nach Abschluss der Recherchen war ich sicher: Mein Mitbewohner ist ein Bilch. Ich taufte ihn liebevoll auf den Namen Nusshard von Bilch, wartete sehnsüchtig auf den Beginn seines Winterschlafes und versuchte mich bis dahin in Rache. Kampfansage Nummer 2. Wenn er mich nachts um den Schlaf brachte, dann tat ich das eben am Tag. Ich räucherte mein Haus mit Weihrauch aus, weil er das wohl hasst, bis ich mich fühlte wie im Petersdom. Ich spielte via You Tube Eulengeräusche ein, sein Fressfeind Nummer 1. Leider vergeblich. Schon lange schlief ich entweder beim Liebsten oder in meinem Haus auf der Couch. Denn weder meine Nerven noch meine Ohren ließen mich noch zur Ruhe kommen.

Wenn nichts mehr hilft, hilft Shopping. In einem meiner Lieblingsblogs  entdeckte ich diese entzückenden Karten von lecanotrouge. Seitdem hängen Eichhörnchen und diverse andere Nagetiere über meiner Couch. Bilche und Mäuse waren nicht im Angebot. Mein Verhältnis zu meinem Mitbewohner verbesserte das nur unwesentlich.



Bilder von hier

Es wurde frostig draußen. Trotzdem wachte der Kerl regelmässig bei Einbruch der Dunkelheit auf und spielte mit seinen Bowlingkugeln...ähhh...Haselnüssen. Irgendwann war ich unglücklich genug, um mein schlechtes Gewissen zu ignorieren: Der Junge muss ausziehen, auch wenn es mitten im Winter ist. Kampfansage Nummer 3. Die kleine Mausfalle wurde gegen das große Rattenmodell umgetauscht. Statt Äpfeln wurde mit Haselnüssen gelockt. Er plünderte die Fallen geschickt, verschwand dann aber wieder in den Tiefen meines Kachelofens. Einmal grinste er mich noch frech durch die Lüftungsschlitze an, als ich nach der Falle schauen wollte. Und dann griff ich zur Waffe: zur Heißklebepistole, um genau zu sein. Mit der festgeklebten Haselnuss am Auslöser der Falle wurde auch dieser kleine Verbrecher nicht fertig. Am nächsten Morgen saß er in der Falle. Und entpuppte sich als ganz normale Maus. Zuvor hatte er noch meine Hausschuhe zerlegt. Die Perlen daran hielt er wohl für eine neuen Züchtungserfolg der Haselnussgärtner.

Das Mäuschen bekam einen Gratisausflug aufs Land. Wir suchten ihm einen Heustadl am Waldrand aus und setzen ihn dort mit seinem Nussvorrat aus. Ich war so glücklich. Mein Haus wieder ganz in meiner Hand. Bis am Abend wieder die Bowlingbahn geöffnet wurde. Drei Mäuse haben wir seitdem gefangen und zur Familenzusammenführung ins Tal hinaus gebracht. Nun blieb die Falle das ganze Wochenende leer. Ich lausche seit drei Stunden, wann die Nüsse wieder rollen. Aber bisher blieb es stumm. Ich spreche Beschwörungsformeln und bete und klopfe auf Holz. Ist das hier nun wieder ein Singlehaushalt? Mein Singlehaushalt? Ich hoffe es so sehr!

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Buchstabensalat á la Austria: C wie Kemie, Kina, Kirurgie

Kommt man beim "Stadt, Land, Fluss" zum C, ist man doch eigentlich noch sehr entspannt. China, Chemnitz, Chemielaborant - das C führt keinesfalls zum Kahlschlag auf dem Spielplan. Ja, man fürchtet das X und das Y. Aber das C? Pah, das C ist Kinderkram.


Bild von hier

Umso mehr wunderte ich ich, als ich beim Buchstabensalat á la Austria bereits beim dritten Buchstaben des Alphabets mitten in einer Wortfindungsstörung landete. Meine Bibel, das Wörterbuch des österreichischen Deutsch, hat für den Buchstaben C ganze zwei Seiten vorgesehen. Zum Vergleich: Beim B konnte ich auf 28 Seiten aus dem Vollen schöpfen. Butzen, büseln, burren, Buschenschank - das B ist eine prall gefüllte Wundertüte für Wortfetischisten und Fans der Sprache, die die Österreicher mit einer gewissen Ignoranz als Deutsch bezeichnen.

Stellt sich die Frage: Was hat das C den Österreichern angetan? In erster Linie können sie es nicht sprechen. Denn kommt das C in Kombination mit seinem besten Freund H daher, erzeugt es einen Laut, der in einer alpenländischen Kehle offenbar zu Verknotungen führt. Chemie, China, Chirurgie - all diese Worte verunstalten sie, indem sie aus dem unschlagbaren Team CH ein profanes K machen. Kein Wunder, dass sie diesen Buchstaben am Liebsten aus dem Alphabet streichen möchten. 



Anders sieht es aus, wenn das C sich als Franzose tarnt: Vom Chauffeur über die Charge bis zur Chanteuse. Sie adoptieren herzlich gern Wörter aus dem Land des Eifelturms. Ein bisschen orientieren sie sich da wohl an der Form des C: Während sie sich in Richtung Frankreich und Italien in Sachen Sprache gern öffnen, gehen sie bei den Piefkes lieber in Deckung und halten abweisend ihren runden Buckel hin. 

Gern rümpft man auch noch die Nase, wenn die Deutschen sich an einem französischen Wort versuchen. Das bleibt selbst dem Duden nicht verborgen: 

"Chance: wird österr. ohne Endungs-e ausgesprochen und deutlich genäselt. Gegen die in D übliche Aussprache besteht eine emotionale Abneigung."

Vielleicht fehlt uns Deutschen aber wirklich das Franzosen-Gen? Denn obwohl in meinen Adern zur Hälfte französisches Blut fließt, wunderte ich mich soeben, um welches mir unbekannte Lebewesen es sich wohl bei dem Cafetier handelt. Dabei verleiht man hier dem Kaffeehausbesitzer ganz einfach ein wenig Pariser Chic. 




Ein schönes Wort habe ich dennoch für euch gefunden: Chefitäten - die Führungsschicht. Wann werden die Chefitäten Österreichs begreifen, das ein Land das C nicht vernachlässigen sollte? Die Zeit ist reif für eine Petition. 

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Schönes (lange nach dem) Wochenende: Festgebissen

Manchmal glaube ich, ich war in meinem ersten Leben Terrier: Habe ich mich erstmal richtig festgebissen, kriegt keiner mehr das Hosenbein aus meinem Maul und ich die Zähne nicht mehr auseinander. Und das ist höchst ungünstig, wenn man einen Blog hat, der sich nicht wieder in Brachland verwandeln soll. Da kann man nicht einfach mal ein paar Tage die Klappe halten.

Auf der anderen Seite tut das Festbeißen auch richtig gut. Seit Wochen schiebe ich eine Aufgabe vor mir her, umkreise sie vorsichtig, um sie dann wieder zu vertagen: Die Website meiner kleinen Agentur wartet sehnsüchtig auf ihre Umsetzung. Doch vorletzte Nacht überkam es mich dann. Statt mich länger schlaflos von einer Seite auf die andere zu wälzen, habe ich mich endlich auf die Arbeit gestürzt. Und pünktlich zum Frühstück war ich dann einen großen Schritt weiter und endlich hinreichen infiziert, um Spaß an der Sache zu haben. Müde war ich inzwischen auch und bin es immer noch. Das Terrierleben (und das seiner Artgenossen) ist ein hartes.

Da finde ich es gut, dass man den armen Kötern auch einmal ein Denkmal setzt. Diese Kissen sind so schrecklich und so schön, so kitschig und so genial zugleich, dass ich in jeder Pause um die Bilder schleiche. Hmmm, der Mops würde schon ganz wunderbar zu den Samtkissen und dem Union Jack in meinem Schaukelstuhl passen. Ob ich mich darin festbeißen sollte?


Foto von hier.

Mittwoch, 28. September 2011

Happy Herzgeburtstag

Herzlich. Von Herzen froh. Herzallerliebst. Herzenslust. Herzinniglich. Herzkirsche. Herzergreifend. Herzensfreund. Herzhaftigkeit. Herzrasen. Herzzerreißend. Herzschmerz. Herzkasper. Herzkatheter. Herzinfarkt. 
Ich bin von Herzen froh, dass du noch bei mir bist. 



Mittwoch, 21. September 2011

Eingeschneit


Bild von hier


Da träumt man gerade so gemütlich vom Herbst, schon erinnert der Winter daran, dass er bereits im Hintergrund auf uns lauert. Gott sei Dank hat es uns hier unten im Tal nicht ganz so schlimm erwischt wie diesen Radfahrer am Brenner.


Aber die weißen Gipfel, die ich gestern bei meiner Nordic Walking Runde bestaunen konnte, haben mir trotzdem so ein kleines vorfreudiges Kribbeln im Bauch gemacht.

Auch wenn heute schon wieder die Sonne scheint: Ich finde, es ist Zeit für meine Winter-Vorfreu-Liste:



Kachelofen anzünden und mit einer Tasse Tee in der Hand auf die kleine Bank davor kuscheln.


Endlich wieder meine geliebte Pudelmütze von der Tiroler Adlerin aufsetzen.


Boarden, Boarden, Boarden. Und dabei darüber freuen, dass ich meinen Bruder im Winter viel öfter sehe als im Sommer. Was wohl vielleicht ein klitzekleines Bisschen daran liegen könnte, dass er keiner Piste widerstehen kann.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Sakura oder von der Vergänglichkeit einer Schlagzeile

"Japan strahlt rosarot und niemand wird sich dieses Jahr dafür interessieren". So oder so ähnlich lautete der Satz, den ich kurz nach dem Erdbeben in einer deutschen Zeitung las.


Ein Satz, der mich erschreckt hat. Weil er zeigt, wie schnell sich Prioritäten verschieben. Prioritäten einer Nation, vielleicht sogar Prioritäten der Menschheit. Erschreckt hat er mich aber auch, weil hier ein Journalist entweder sehr zynisch mit den Worten spielte oder so unsensibel war, dass er nicht bemerkte, was er dort schrieb.

Das einzige, was zu diesem Zeitpunkt in Japan noch rosarot war, waren die Kirschblüten. Sakura. Ein Wort, das schon nach ganz viel Glück und rosarot klingt. Die Blütezeit der Kirsche symbolisiert in Japan die verschiedenen Stufen des Lebens. Die Kirschblüte verkörpert das Aufblühen und die Schönheit des Daseins bis hin zur Vergänglichkeit und dem Tod. In Massen strömen die Japaner und zahlreiche Touristen in die Parks und Gärten, um Hanami, das Kirschblütenfest, zu feiern. In diesem Jahr war sicher niemandem nach Picknick und feiern zu Mute. Aus rosarot war über Nacht grau geworden. Das Symbol des Lebens war schon tot, als es noch in voller Blüte stand.



Vor ein paar Tagen las ich wieder über Japan in der Zeitung. Es war ein Dreizeiler. "Kernschmelze bestätigt. Jetzt ist es offiziell: Die Kernaufsichts-behörde bestätigt die Kernschmelze in den Reaktoren 1 bis 3 des japanischen AKW Fukushima." Ein Satz, der mich erschreckt. Die Prioritäten haben sich  verschoben. Zehn Tage stehen die Kirschbäume in voller Blüte, bevor sie zu Bodensatz werden, für den sich niemand mehr interessiert. Zehn Tage. Für eine gute Schlagzeile ist das offenbar eine halbe Ewigkeit.